Besichtigung des Bochumer Verein Verkehrstechnik im März 2017
VDE Rhein-Ruhr / Ulrich Lindner
07.04.2017 Bochum 305 0

Besichtigung Bochumer Verein Verkehrstechnik

Seniorengemeinschaft beim Bochomer Verein Verkehrstechnik
VDE Rhein-Ruhr / Ulrich Lindner

Am 09.03.2017 waren 52 Mitglieder der VDE-Seniorengemeinschaft und Gäste bei der Bochumer Verein Verkehrstechnik GmbH (BVV) zu Gast. Aus dem traditionsreichen, vor 175 Jahren gegründeten „Stahlgusspionier“ Bochumer Verein hervorgegangen, ist die BVV heute ein mittelständisches Unternehmen und produziert Radsätze für Schienenfahrzeuge, von Niederflur-Straßenbahnen über ICE-Hochgeschwindigkeitszüge bis hin zu schweren Güterzuglokomotiven, der letzte Radsatzfabrikant in Deutschland.
Der Entwicklungsleiter, Herr Murawa, stellte zuerst in einem Vortrag die Produktbereiche sowie die vorwiegend material- und geräuschtechnischen Entwicklungstätigkeiten vor. Bei Lokomotiven und Hochgeschwindigkeitszügen kommen heute nahezu ausnahmslos Monoblocräder zum Einsatz. In Straßen- und Stadtbahnen herrschen seit etwa 50 Jahren gummigefederte Radsätze vor: Sie dämpfen den Lärm, bauen Stöße ab und verringern so den Verschleiß und schließlich die Unterhaltskosten. Die neueren Typen haben einen geteilten Radkörper, darum einen V-förmigen Gummiring und außen den Radreifen. Radsatzwellen werden im Werk Brand-Erbisdorf (Sachsen) gefertigt und nach Bochum geliefert. Ein komplexes elektrisches Seitenproblem ist der Stromtransport über die Gummifederung hinweg zum Radsatzwellen-Schleifkontakt, der auch zusammen mit der Ruhr-Universität Bochum untersucht wird.
Im ersten Schritt wird aus bis zu 500 mm starkem Strangguss-Rundstahlabschnitten in einer 6000-t-Richtpresse der Radrohling geschmiedet - 200000 pro Jahr! Anschließend werden die Rohlinge im Ringwalzwerk auf die Rohmaße - bis zu 1380 mm Durchmesser und bis zu 1300 kg Rohgewicht – ausgewalzt sowie gestempelt. In der nachfolgenden Wärmebehandlung werden speziell die Radkränze gehärtet (die inneren Radscheiben sollen zäh bleiben) und angelassen. Es folgen Ultraschall- und Härteprüfungen. Schließlich werden die Räder auf Vertikal-Drehmaschinen auf die Endmaße (Verschleißprofil) gebracht, ausgewuchtet und endgeprüft. Abschließend erfolgt die Farbbeschichtung und die Montage zum Radsatz.
An den Vortrag schloss sich der fachmännisch geführte und viel Diskussionsmöglichkeit bietende Rundgang durch die Produktion an, in dem die Fertigungsschritte deutlich wurden. Bei der Montage moderner Antriebsradsätze werden die angelieferten Antriebskomponenten mit montiert, was auch den Fahrmotor und die Bremsscheiben umfassen kann. Dabei konnten die verschiedenen Schalldämpfungsabsorber moderner Radsätze gesehen werden, die dem durch hohe Reibwertausnutzung hochbelasteten Rad das Brummen und Pfeifen abgewöhnen. Der Rundgang wurde durch einen Besuch im „Rädermuseum“ mit Exponaten aus Vergangenheit und Gegenwart gekrönt, mit dem Highlight eines 2,30-m-Speichenradsatzes der Reichsbahn-Dampflokomotive Baureihe 05!

Bildgalerie Bochumer Verein Verkehrstechnik