Interview mit Christian Lyko zur Gründung des
VDE-AK-CE-Kennzeichnung und EU-Richtlinien
Fast alle hatten bereits Berührungspunkte mit dem CE-Kennzeichen, z. B. bei dem Kauf eines Elektroartikels. Doch dieses Zeichen ist nicht nur ein Symbol, sondern ein sehr komplexes Thema. Das gilt auch für EU-Richtlinien. Aufgrund dessen hat sich der Arbeitskreis „VDE-AK-CE-Kennzeichnung und EU-Richtlinien“ entwickelt. Fatma Gönen und Alexandra Bünck haben sich mit Christian Lyko, einem der Mitgründer des Arbeitskreises getroffen und viel über die Entstehungsgeschichte des Arbeitskreises in einem Interview erfahren.
Herr Lyko, stellen Sie sich bitte kurz vor und erzählen Sie uns, wie die Idee des Arbeitskreises entstanden ist.
Ich habe 1995 meinen Abschluss in Elektrotechnik gemacht und im gleichen Jahr bei der damaligen Siemens AG angefangen. Seit dem Jahr 2000 beschäftige ich mich mit dem Thema CE-Kennzeichnung und habe dabei schnell gemerkt, dass es sehr schwierig ist,den Überblick zu behalten: Welche Normen sind gerade aktuell? Welche Richtlinien ändern sich? Wo gibt es Neuerungen?
Das können wir uns sehr gut vorstellen. Was haben Sie für Schritte vorgenommen, um diesen Schwierigkeit entgegenzuwirken?
Mir kam die Idee, dass ich mit diesen Schwierigkeiten vermutlich nicht allein bin, sondern dass es in der ganzen Branche ähnlich aussieht. Deshalb habe ich beim VDE nachgefragt, ob es bereits einen Arbeitskreis zu diesem Thema gibt. Die Antwort war: Nein. Jedoch wurde mir empfohlen gerne einen solchen Arbeitskreis innerhalb des VDE zu gründen.
Das klingt sehr spannend, aber auch sehr aufwendig. Waren Sie mit der Gründung des Arbeitskreises für CE-Kennzeichnungen und EU-Richtlinien komplett auf sich allein gestellt?
Nein, ich hatte Unterstützung von Martin Auge und Martin Hölscher. Zusammen haben wir den Arbeitskreis aus der Taufe gehoben. Das war im Jahr 2014 . Die erste Arbeitskreissitzung fand damals bei der Firma statt, in der Martin Auge tätig war. Ich habe die inhaltliche Basis geliefert, und die beiden haben dafür gesorgt, dass ausreichend Zuhörer da waren.
Was waren denn genau die Schwerpunkte bei der ersten Arbeitskreissitzung?
Die erste Sitzung widmete sich rund dem Thema „CE-Kennzeichnung bei Arbeitsmitteln“. Ich habe extra für Sie noch mal in meinen Unterlagen nachgesehen. Die Schwerpunkte waren unter anderem der Hintergrund der CE-Kennzeichnungspflicht, die Historie dazu, die Gesetzgebung in Deutschland, Begriffsbestimmungen, vereinzelte EU-Richtlinien (Niederspannung, EMV, Maschinen, ROHS), die Durchführung eines Konformitätsnachweis und viel mehr.
Da waren Sie damals perfekt auf die erste Sitzung vorbereitet! Wie hat sich Arbeitskreis dann weiterentwickelt?
Die erste Sitzung im Jahr 2024 war der Startpunkt. Danach begannen wir, regelmäßig Veranstaltungen anzubieten – etwa zwei- bis dreimal im Jahr, bei wechselnden Gastgebern.
Bis Corona kamen wir so im Schnitt auf rund 20 Teilnehmende pro Veranstaltung. Die Pandemie hat dann natürlich einen Einschnitt gebracht, weil Präsenzveranstaltungen nicht mehr möglich waren. Danach hatten wir Schwierigkeiten beim Neustart: Die Teilnehmerzahlen gingen zurück, das Interesse an Präsenzterminen war gesunken und wir sahen regelmäßig nur die gleichen Gesichter. Um neue Leute zu gewinnen, haben wir uns dann entschieden, verstärkt auch über Social-Media sichtbar zu werden.
Das stimmt der VDE-AK-CE-Kennzeichnung und EU-Richtlinien ist auch bei LinkedIn. Wir freuen uns, Sie dort zukünftig redaktionell und gestalterisch zu unterstützen! Was war für Sie damals die größte Herausforderung, den Arbeitskreis aufzubauen und auch vor Publikum aufzutreten?
Natürlich ist es nicht jedermanns Sache, vor Publikum zu sprechen und ein Thema zu präsentieren. Manchmal braucht es Überzeugungsarbeit. Gleichzeitig gibt es aber auch Leute, die das sehr gerne machen und eigene Beiträge mitbringen. Wichtig ist dabei immer, dass die Themen zum Kernbereich des Arbeitskreises passen – also CE-Kennzeichnung und EU-Richtlinien. Wir wollten vermeiden, uns in Randthemen zu verzetteln, die nur für einen kleinen Kreis relevant sind.
Wie leicht oder schwer war es, Gastgeber für die Veranstaltungen zu finden?
Das war eigentlich nie ein Problem. Viele Firmen waren bereit, Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen und auch für Kaffee oder Verpflegung zu sorgen. So hatten wir ein breites Spektrum an Gastgebern – selbst bei Firmen mit kleineren Räumen.
Was war Ihre schönste Erinnerung bisher beim Arbeitskreis?
Eine Veranstaltung ist mir bis heute besonders in Erinnerung geblieben: Ein Referent hielt eine ganze Stunde lang seinen Vortrag anhand einer einzigen Folie. Das war beeindruckend. Die Veranstaltung fand damals in einem sehr repräsentativen Besprechungsraum bei der Firma Eickhoff statt – das war ein wirklich gelungener Abend.
Unsere erste Veranstaltung war dagegen noch etwas schlichter: Sie fand in einem größeren Besprechungsraum statt, der eigentlich eine umgeräumte Kantine war. Aber auch das war eine schöne Erfahrung.
Gab es auch Phasen, in denen der Arbeitskreis ins Stocken geraten ist?
Ja, absolut. Wenn man im Arbeitsalltag unter Stress steht, schiebt man solche Aktivitäten auch mal nach hinten. Als Martin Auge in Ruhestand ging und Martin Hölscher beruflich eingespannt war, war ich eine Weile lang Einzelkämpfer. Und wenn ich nichts organisiert habe, ist eben auch nichts passiert.
Nach Corona hatte ich dann die Idee, die Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen – über ein sogenanntes Steering Committee. Aber ehrlich gesagt: Es läuft nicht ganz von allein. Meistens bin ich derjenige, der antreibt, organisiert und die anderen ein bisschen anschiebt, damit sie mitarbeiten.
Aber nun haben Sie ja unsere Unterstützung! Wir werden unser Bestmögliches geben!
Ja, das stimmt! Aber ich freue mich auch über weitere engagierte und helfende Hände, die Lust haben sich im Arbeitskreis zu engagieren.
Liebe Leserinnen und Leser, wenn Sie auch Lust haben sich beim Arbeitskreis zu engagieren, schauen Sie gerne bei einer nächsten Sitzung vorbei!
Christian Lyko, wir bedanken uns bei Ihnen für dieses tolle Interview und sind gespannt, welche Referenten und Themen noch in Zukunft beim Arbeitskreis kommen werden.